Dorst & Consorten „Le Dernier Cri“ Pinot Noir

2019

trocken

(Enhält Sulfite)

0.75l / 13% vol.46.67 € pro Liter

35,00 inkl. 19% MwSt.

Description

Dorst & Bietighöfer (Mühlhofen)

Kann denn eine Persiflage gut schmecken ?

„Le dernier Cri“, – der letzte Schrei, was ein seltsamer Name für einen Wein und zudem noch ein „Anti-Terroirwein“? Was soll denn das nun wieder ? Francophile werden erkennen, dass man „le dernier cri“ auch als „le dernier cru“, „- die hintere Lage“ deuten kann. Jenseits der Originale, der sogenannten Premier und Grand Cru´s liegen die hinteren Lagen, – aber halt auch die unscheinbaren Lagen ! Wie bei so vielem kann man unsere heutige Welt nicht einfach in schwarz und weiß aufteilen, die Welt und das Leben ist bunt und deshalb so spannend wie es ist. So auch bei den Weinlagen. Es gibt unzählige Lagen, die ihre außerordentlichen, jedoch weitgehend unerkannten und unterschätzten Qualitäten haben, sofern man sie herausarbeitet.

Ein Spätburgunder, der auf einem leichten Lössboden gewachsen ist. Diese „Nährböden“ haben die Eigenschaft, der Rebe dauerhaft gute Wachstumsbedingungen zu gewährleisten, – auch in stressigen Zeiten, -in Trockenperioden, in denen Rebstöcke auf kargen, steinigen Böden schon mal ihre Photosynthese zurückfahren müssen, weil Wasser fehlt, haben diese, wenn möglich kalkhaltigen Lössböden in Kombination mit gesunden Humusgehalten einen fast unerschöpflichen Wasserspeicher im Untergrund. Somit können unter bestimmten Vorraussetzungen der richtigen Weinbergsbewirtschaftung manche Rebsorten, im speziellen Spätburgunder auf diesem Terroir sehr gehaltvolle, komplexe Weine hervorbringen.

Der Begriff und der Wert „Terroir“ wird derzeit vielfach fälschlich eingeschätzt. Wo früher doch sooft bei etlichen schlecht vinifizierten Weinen die Versäumnisse des Erzeugers mit Terroir entschuldigt wurden, werden heutzutage krampfhaft Weine mit Terroir Attributen ausgestattet, die von äußerst durchschnittlicher Qualität sein können oder mit kellerwirtschaftlichen High-Tec Praktiken die Terroireigenschaften überzeichnet werden oder die verschiedensten Terroir Aromen in die Weine hineininterpretiert werden und sich der gemeine Weintrinker die Frage stellt, ob er jetzt Boden, Gestein oder Wein trinken muss. Wo bleiben den bei allem Terroir Gerede die Menschen, die den Wein herstellen? Haben sie denn nicht mindestens genauso viel Anteil an der Qualität eines Weines ?
Sicherlich müssen die Voraussetzungen stimmen. Bei der Traubenerzeugung und Weinherstellung gibt es unzählige Stellschrauben, die nur ein Mensch einstellen kann, um die optimale Qualität eines Terroirs herauszuarbeiten. Gerade bei Rotweinen und insbesondere bei der Rebsorte Spätburgunder ist der Einfluss des „Kreateurs“ am ausgeprägtesten. Welche Klone werden gepflanzt, wie werden die Kulturmaßnahmen ausgeführt, wann ist der optimale Lesezeitpunkt, wie wird vergoren, welche Gärtemperaturen sind die passendsten, wie lange wird die Gärung durchgeführt, wie viel Extraktion der Tannin- und Aromastoffe wird gewählt, worin und wie lange wird der Grundwein darin ausgebaut, wie und wann ist der optimale Abfüllzeitpunkt. Fragen über Fragen, Entscheidungen über Entscheidungen. Sogar dem Laien wir deutlich, warum gerade Spätburgunder in so unterschiedliche Güte im Angebot sind.

Wir haben im Glas einen Spätburgunder aus dem Jahrgang 2015, deshalb ein hervorragender Jahrgang, weil Sonne und Regen in passendem Verhältnis kamen und wir somit vollreife, gesunde Trauben ernten konnten, die noch eine ausreichende Säure, volle Aromen bei moderaten Zucker- und daraus resultierenden Alkoholgehalten mitbrachten. Erstaunlich ist für uns persönlich ist die Aromenfülle sowohl in der Nase, als auch im Gout, -ein Spätburgunder, der die Erwartungen an diese Rebsorte, die ja sooft als subtile, finessenreiche Diva dargestellt wird, voll erfüllt. Der Wein wurde in Bottichen vergoren, der biologische Säureabbau erfolgte in größtenteils neuen Holzfässern, worin der Wein 14 Monate reifte, bevor 1300 Flaschen per schonender, manueller Handabfüllung davon abgefüllt wurden.

In der Nase erkennt man Wald- und Himbeeren, unterlegt mit etwas Süßholz, in den Mund kommt er mit einer tänzerischen Leichtigkeit und Eleganz, bleibt lange und finessenreich auf dem Gaumen, bevor er einen fordernden, von noch jungen Tanninen herrührenden, Abgang macht.

Ganz weit weg von den „Originalen“, wo immer auch diese sein mögen, liegen die hinteren, die unscheinbaren Lagen, die vermeintlich weniger wertvoll erscheinen mögen, aber durchaus für Überraschungen gut sein können, vielleicht „zum letzten Schrei“ werden können…